Über spanischen Kaffee
Was ist anders beim iberischen Kaffee?
In Deutschland wird Kaffee nicht mehr nur getrunken, sondern auch genossen. Diese Feststellung kann man landauf und landab feststellen, wobei man hier von einem leichten Süd-Nord-Gefälle spricht. Italienische Spezialitäten dominieren. Dabei sind unsere spanischen Sorten keineswegs schlechter undĀ mehr als nurĀ einen Versuch wert.
Im folgenden werden wir versuchen, Ihnen die iberischen Eigenheiten der Kaffeekultur zu erläutern. Spanien hatte und hat traditionell sehr intensive Kontakte zu den Kaffee-Ursprungsländern in Mittel- und Südamerika. Davon zeugen die uralten Kaffeehäuser in den Landesmetropolen, welche schon 200 Jahre und älter sind. Dennoch hat Kaffee aus Italien bei uns ein ganz besonderes Image, eine wesentlich größere Bekanntheit und Beliebtheit. Liegt es am Marketing, an der italienischen Mentalität oder an der kürzeren Entfernung dorthin? Die Antwort darauf müssen Sie selbst herausfinden. An der Qualität des Rohkaffees, der Herkunft, der Röstung und der späteren Zubereitung kann es nicht liegen. Guter Kaffee schmeckt hier und dort.
Im Idealfall schmeckt der Kaffee samtig und intensiv und ist von öliger Konsistenz. Die Robusta-Anteile liegen im Durchschnitt etwas höher (30% - 50%), was dem spanischen Kaffee sein volles Aroma verleiht. Geschmack und Geruch sind dementsprechend rauh und kräftig, mitunter sogar erdig, was aber mildere Sorten nicht generell ausschließt. Typisch portugiesische Sorten tendieren zu noch mehr Charakter mit pfeffrigen Noten, teils moosig und an Tabak erinnernd.
Beleuchten wir den Geschmack. Möglicherweise liegt die italienische Variante näher am allgemeinen deutschen Geschmacksempfinden überhaupt. Iberische Sorten weisen tendenziell einen anderen, meist höheren Säuregehalt auf. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.
Darüberhinaus gibt es in Spanien und Portugal "Torrefacto", ein wesentlicher Unterschied zu uns bekannten Röstmischungen. Er bezeichnet den Anteil karamellisierter Bohnen an der Gesamtmischung, meist 20% bis 30% beträgt der Anteil an der Naturröstung. Einem Kilo Bohnen werden dabei während dem Röstvorgang 120g Rohzucker zugegeben. Das macht den Kaffee aber nicht spürbar süsser. Im Gegenteil, der Kaffee erhält mit der späteren Brühung einen noch kräftigeren Geschmack. Bittere Geschmacksnoten werden dabei abgebaut.
Vergleicht jemand Cappuccino mit dem spanischen Café con Leche, spricht er eigentlich vom gleichen Getränk. Die Zutaten und jeweiligen Anteile sind relativ gleich, nur wird in Italien das Aufschäumen stärker zelebriert.
Gleicher Fall beim Espresso. In Spanien heißt er "Café solo". Die Basis der Zubereitung ist die gleiche, ebenso die Maschinenvoraussetzungen sind meist identisch. Mit gutem Willen und Können gelingt auch die für´s Auge so wichtige Crema.
Und so lassen sich die Gemeinsamkeiten bzw. kleinen Unterschiede fortsetzen: Carajillo = ähnlich Correto, Cortado = ähnlich Macchiato, Corto = Ristretto, Café con Hielo = Café Shakerato. Wir wünschen und hoffen, dass diese Zeilen und diese Homepage dem iberischen Kaffee zu seiner verdienten Ehre verhelfen.
Ihr Michael Hößl |